Im Gedenken an Manuel Arn
Manuel Arn beschönigte nichts. Die ALS-Diagnose im Jahr 2014 sei ein massiver Einschnitt gewesen. Auf einmal sei er gestolpert und hingefallen. Da habe er zum ersten Mal die «Unebenheiten des Lebens» kennengelernt», erinnerte er sich. Und dass er, der leidenschaftlich gern gesungen hatte, seine Tenorstimme wegen der Krankheit verlor, beschrieb er als «verheerend».
Carte Blanche
Doch trotz diesen Unebenheiten wollte Manuel kein Mitleid. In seiner unverkennbaren Art sagte er, er wolle nicht «der Arme» sein. Stattdessen stellte er sich eine «Carte Blanche» aus. Erlaubte sich, das Leben auszukosten; mit den ihm verbleibenden Möglichkeiten. Leicht gefallen war ihm das keineswegs – er habe seinen ganzen Mut zusammennehmen müssen dafür.
Ruhig und klar
Mit unverzichtbarer Stimme und kreativem Denken habe er sich für die Bedürfnisse der ALS-Betroffenen eingesetzt, erinnert sich Walter Brunner, vormaliger Präsident von ALS Schweiz, an die Zeit mit Manuel Arn im Vorstand. Geschäftsleiterin Andrea Wetz ergänzt, wenn sie sich einmal in Diskussionen über Strukturen, Wirtschaftlichkeit oder Professionalisierung zu verlieren drohten, habe er sie ruhig und klar zurück zum Wesentlichen geführt – zum Menschen und den Bedürfnissen der Betroffenen und Angehörigen. Acht Jahre währte sein Einsatz im Vorstand von ALS Schweiz – von 2018 bis 2025.
Die Sommerlinde
Ein Bild für seinen Umgang mit dem Unausweichlichen seiner Krankheit ist der Baum, welcher zu seinen Lebzeiten gepflanzt worden war – eine Sommerlinde. Denn, anders als etwa die Eiche, ist die Sommerlinde weich und durchlässig. Genau darin erkannte Manuel Arn wahre Stärke; im Weichen, im Durchlässigen: «Gewalt verliert immer», sagte er. Wer im Guten vorwärtskommen wolle, für den sei das Weiche der Weg. Anstatt gegen seine Krankheit zu kämpfen, wurde er weich wie eine Linde und fand darin womöglich seinen inneren Frieden.
Der innere Kompass
Die Menschen um ihn herum waren beeindruckt davon, wie er mit seiner Krankheit umging. Nicht etwa deswegen, weil er gesagt hätte, er müsse jetzt stark sein. Sondern wegen seiner Ruhe. Weil er sich trotz Unebenheiten weiterhin von Herzen für andere Menschen interessierte, für sie da war, Wärme ausstrahlte. Er habe die Räume auf eine besondere Weise füllen können, erinnert sich Andrea Wetz. Er habe ihnen etwas geschenkt, das an Wert kaum zu überbieten sei, fährt sie fort: «Einen inneren Kompass.» Manuel Arn hinterlässt eine Partnerin und zwei erwachsene Söhne. In unseren Herzen bleibt für immer die Erinnerung an einen Menschen, der uns ruhig und verlässlich daran erinnerte, worauf es wirklich ankommt im Leben.
Manuel Arn, 26. Juni 1971 – 2. Juli 2026
