Komplementäre Therapien
Viele Menschen mit ALS und ihre Angehörigen nutzen zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung komplementärmedizinische Therapien. Dabei ist es wichtig, zwischen komplementären und alternativen Ansätzen zu unterscheiden.
Komplementär oder alternativ – was ist der Unterschied?
- Komplementäre Therapien sind nicht-medizinische Behandlungsformen, die begleitend zur Schulmedizin eingesetzt werden können. Sie ergänzen die Schulmedizin, ersetzen sie aber nicht. Sie können das körperliche und seelische Wohlbefinden unterstützen, Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.
- Alternative Therapien ersetzen die Schulmedizin und versprechen oft Heilung ohne wissenschaftlichen Nachweis. Sie können Risiken bergen und werden von ALS Schweiz nicht empfohlen.
Die Kombination aus Schulmedizin und komplementären Ansätzen wird integrative Medizin genannt.
Wie können integrative Therapien unterstützen?
Integrative Therapien können bei ALS helfen, einzelne Symptome zu lindern und das Wohlbefinden zu unterstützen. Sie können den Krankheitsverlauf jedoch nach aktuellem Wissensstand nicht nachweislich verlangsamen. Viele Betroffene berichten über Linderung bei:
- Beschwerden wie Verkrampfungen, Steifheit, Muskelzittern oder Verspannungen
- Beschwerden durch überbeanspruchte Muskeln und Gelenke, zum Beispiel durch Fehlhaltungen oder Druck beim Sitzen und Liegen
- Atembeschwerden wie Engegefühl, Kurzatmigkeit oder erschwerte tiefe Atmung
- Verdauungsbeschwerden, zum Beispiel Verstopfung oder langsame Darmtätigkeit
- Schlafstörungen, Erschöpfung und anhaltende Müdigkeit
- Seelischen Belastungen wie Ängste, innere Unruhe oder depressive Verstimmungen
Fachliche Beratung wichtig
Vor Beginn einer integrativen Therapie ist eine Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt empfehlenswert. So lassen sich die Eignung prüfen und mögliche Wechselwirkungen mit laufenden Behandlungen klären. Die Durchführung sollte immer durch qualifizierte und anerkannte Fachpersonen erfolgen.
Kosten und Versicherungsdeckung
Die Kosten für komplementäre Therapien werden nicht automatisch von der obligatorischen Grundversicherung übernommen. Je nach Krankenkasse und abgeschlossener Zusatzversicherung können jedoch einzelne Leistungen teilweise oder ganz vergütet werden. Vor Beginn der Behandlung sollte deshalb immer mit der Krankenkasse geklärt werden, welche Kosten übernommen werden und welche nicht.
Behandlungsformen
Akupunktur
Akupunktur ist eine Methode der traditionellen chinesischen Medizin, bei der feine Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers gesetzt werden. Sie kann das Nervensystem beeinflussen und beruhigend wirken.
Möglicher Nutzen:
- Reduktion von Angst und innerer Unruhe
- Förderung von Entspannung und allgemeinem Wohlbefinden
- Linderung von Muskelverspannungen
Akupunktur kann – nach Rücksprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt – als komplementäre Unterstützung in Betracht gezogen werden.
Aromatherapie
Bei der Aromatherapie werden ätherische Öle aus Pflanzen eingesetzt. Sie werden verdünnt auf die Haut aufgetragen, als Duft verwendet oder dem Massageöl beigemischt. Beispiele dafür sind Lavendel und Orange, deren Düfte von vielen Menschen als angenehm empfunden werden.
Möglicher Nutzen:
- Förderung von Entspannung
- Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens
- Teilweise Linderung von Muskelverspannungen oder Schmerzen
Ätherische Öle sollten nur nach Rücksprache mit qualifizierten Fachpersonen angewendet werden. Einige Öle sind bei Atemproblemen nicht geeignet; eine vorgängige Abklärung ist deshalb wichtig.
Kunsttherapie- und Musiktherapie
Die Kunst- und Musiktherapie kann dabei unterstützen, Gefühle wahrzunehmen und Erlebnisse auszudrücken. In den Sitzungen wird gemalt, gezeichnet, Musik gehört oder musiziert. Eine Therapeutin oder ein Therapeut begleitet den Prozess, macht Vorschläge, hört zu und hilft, Erlebtes oder Gefühle zu benennen. Vorkenntnisse sind keine nötig.
Möglicher Nutzen:
- Abbau von innerer Anspannung
- Förderung von Ruhe und Entlastung
- Unterstützung bei der Verarbeitung belastender Erlebnisse
- Stärkung des emotionalen Wohlbefindens
Hypnotherapie
Hypnotherapie ist eine Methode, bei der Fachpersonen gezielte Entspannungs- und Vorstellungsübungen einsetzen, um die Wahrnehmung von Beschwerden zu verändern und das Wohlbefinden zu steigern. Die Betroffenen bleiben während der Sitzung wach und aufmerksam, werden aber angeleitet, sich auf bestimmte Empfindungen, Gedanken oder Vorstellungen zu konzentrieren.
Möglicher Nutzen:
- Reduktion von Ängsten und Anspannung
- Verbesserte Schmerzbewältigung
- Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens
Wichtig ist, dass die Hypnotherapie individuell auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Betroffenen abgestimmt wird. Bei ALS kann sie ergänzend eingesetzt werden, um den Umgang mit belastenden Symptomen zu erleichtern.
Massage
Viele Menschen mit ALS empfinden die klassische Massage oder die Reflexzonenmassage als angenehm und wohltuend. Bei der Massage werden Muskeln und Gewebe leicht geknetet, gestrichen oder gedehnt. Die Reflexzonenmassage arbeitet mit gezieltem Druck auf bestimmte Zonen, meist an den Füssen. Auch Hände, Ohren oder das Gesicht können in die Behandlung einbezogen werden.
Möglicher Nutzen:
- Linderung von Muskelverspannungen
- Förderung der Durchblutung
- Linderung von Schmerzen
- Stressreduktion
- Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens
Wichtig ist, dass die Behandlung individuell auf den Gesundheitszustand und die Möglichkeiten der betroffenen Person abgestimmt wird.
Meditation
Meditation ist eine Methode, bei der die Aufmerksamkeit bewusst gelenkt wird, zum Beispiel auf den Atem, Gedanken oder Empfindungen. Ziel ist es, den Geist zu beruhigen, den Moment bewusst wahrzunehmen und innere Ruhe zu fördern.
Es gibt verschiedene Formen, etwa geführte Meditationen, stille Meditation oder Atemübungen, die Konzentration und Entspannung unterstützen. Die Übungen können an die eigenen körperlichen Möglichkeiten angepasst werden, zum Beispiel sitzend, liegend oder in kurzen Einheiten. Auch Apps oder Audio-Aufnahmen bieten eine einfache Möglichkeit, Meditation zu Hause auszuprobieren.
Möglicher Nutzen:
- Förderung von Entspannung, innerer Ruhe und Gelassenheit
- Reduktion von Stress und Anspannung
- Unterstützung des emotionalen Wohlbefindens und der inneren Stärke
- Unterstützung bei der Bewältigung von Krankheitssymptomen
Weitere Mind Body Verfahren, die Körper und Geist gemeinsam ansprechen, sind zum Beispiel MBSR, Qi Gong, Tai Chi oder restoratives Yoga.
Quellen:
MND Association, www.mndassociation.org/
Webinar von Les Turner Foundation mit Jinny Tavee, Chief of Neurology, National Jewish Health, Denver, Complementary and Alternative Therapies for People Living with ALS and Caregivers
ALSUntangled, https://www.alsuntangled.com/
